Tipps, wie Eltern ihr Kind bei der Berufswahl unterstützen können
Sie können:
...frühzeitig beginnen, sich selber auf den aktuellen Stand zur Berufswahl zu bringen (Welche neuen Berufe oder weiterführende Bildungsgänge gibt es? Was sind Branchen mit guten Zukunftsperspektiven?) und vor allem früh mit Ihrem Kind über seine Berufswünsche sprechen. Die sechste Klasse beispielsweise ist nicht zu früh, um zunächst über das Thema Traumberufe zu reden.
Machen Sie Ihr Kind rechtzeitig mit der Welt der Arbeit und Finanzen vertraut, indem Sie zum einen von Ihrem Beruf mit allen Vor- und Nachteilen erzählen oder Ihre Tochter/ Ihren Sohn mit an Ihren Arbeitsplatz nehmen. Sprechen Sie andererseits mit
Ihrem Kind auch über die Haushaltsplanung in der Familie, damit es reale Vorstellungen bekommt, wie viel „Leben" kostet.
Ihre Rolle bei der Berufsorientierung Ihres Kindes ist die eines Trainers - Spieler ist aber schließlich Ihr Kind. Halten Sie sich im Hintergrund, motivieren Sie stattdessen, stehen Sie jederzeit als Ratgeber zur Verfügung und schaffen Sie die Rahmenbedingungen, die Ihr Kind zur Eigeninitiative anregen - es ist seine/ ihre Berufswahl! Gemeinsam können Sie Teilschritte planen, die es allein erledigen kann.
Vermeiden Sie permanente Kritik, Ironie oder Nörgelei, die nur demotivierend wirken.
Falls Ihr Kind nicht mit Ihnen über Zukunftsvorstellungen sprechen will, suchen Sie nach einer neutralen Person (z. B. Verwandte), der Ihr Kind vertraut.
Versuchen Sie modernen Medien (Internet) gegenüber aufgeschlossen zu sein. Ihr Kind wird um deren Nutzung im Berufsleben kaum herumkommen.
Schritte zur Berufswahl:
1. Interessen und Fähigkeiten erkennen und fördern
Führen Sie regelmäßig Gespräche mit Ihrem Kind, um von seinen/ ihren (Zukunfts-)Wünschen, Interessen, Fähigkeiten, Stärken und Problemen zu erfahren.
Nehmen Sie sich die Zeit richtig zuzuhören. Fragen Sie nach und gehen Sie auf seine/ ihre Interessen ein.
Nehmen Sie Ihre Tochter/ Ihren Sohn dabei ernst. Traumberufe bergen oft wichtige Hinweise auf Stärken und Fähigkeiten. Diese Potentiale können in einen realen Wunschberuf münden.
Versuchen Sie nicht, Ihr Kind schon früh in eine Berufsrichtung zu drängen („Meine Tochter wird mal Ärztin!"), sondern geben Sie ihr/ ihm Raum zur allumfassenden Entwicklung. Bis weit in die Pubertät hinein ändern sich die Interessen noch sehr oft. Berufsorientierung ist Zeit zum Nachdenken.
Bestärken Sie Ihr Kind in seinen Fähigkeiten. Selbstbewusste Kinder, die wissen, was sie können, die mutig sind, blicken positiver in die Zukunft und gehen in der wechselhaften Arbeitswelt leichter ihren Weg.
Soziale und persönliche Kompetenzen, die für die meisten Berufe wichtig sind (Teamfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Durchhaltevermögen) kann Ihre Tochter/ Ihr Sohn leicht in der eigenen Familie, durch Mitarbeit im Haushalt, in AGs oder (Sport)
Vereinen lernen. Beispielsweise kann Ihr Sohn sein Organisationstalent durch die Verantwortung für das Waschen der eigenen Wäsche trainieren.
Versuchen Sie die Fähigkeiten Ihres Kindes richtig zu erkennen, vor allem auch naturwissenschaftliche, technische und handwerkliche Fähigkeiten der Töchter. Akzeptieren und fördern Sie diese Fähigkeiten. Wecken Sie auch neue Interessen, indem Sie z. B. mit Ihrer Tochter den Computer reparieren oder Ihren Sohn das Sonntagsessen zubereiten lassen. Mädchen sollen auch einen Computer bekommen!
2. Informieren
Nehmen Sie aktiv am Schulleben Ihres Kindes teil. Arbeiten Sie mit anderen Eltern zusammen. Gemeinsam verfügen Sie über jede Menge Erfahrung. Kennen Sie die für den Berufswahlunterricht zuständige Lehrkraft bzw. den Berufsberater Ihres Kindes?
Legen sie z. B. eine Elternberufkartei und Elternfirmenkartei an für Praktika oder zum Erfahrungsaustausch mit Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft. Organisieren Sie selbst Betriebserkundungen für Ihr Kind und seine Freundinnen und Freunde.
Knüpfen Sie Kontakt zu Berufstätigen, die in Berufen arbeiten, die Ihr Kind in die engere Wahl zieht. Machen Sie Ihre Kinder auch darauf aufmerksam, dass Frauen und Männer in geschlechtsuntypischen Berufen arbeiten.
Arbeiten Sie im regionalen Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT mit.
Lesen Sie mit Ihrem Kind Stellenanzeigen in der Zeitung und sprechen Sie diese durch. Stellenanzeigen sind aktuelle Informationsquellen über Unternehmen und Berufe. Vergleichen Sie Stellen- und Anforderungsprofile verschiedener Unternehmen.
Informieren Sie sich bei Unternehmen der Region, da sie häufig Broschüren und vieles mehr zum Thema Berufswahl herausgeben. Erfragen Sie die bzw. Ihr Kind die Bewerbungsfristen - diese liegen je nach Beruf bis zu 1,5 Jahre vor dem Schulabschluss!
Weisen Sie Ihr Kind auf Beratungsstellen und Veranstaltungen hin und begleiten Sie es gegebenenfalls zu:
o „Tagen der offenen Tür" in Unternehmen und Bildungseinrichtungen
o Berufsinformationsmessen, Ausbildungsplatzbörsen
o Schnupperstudium
o Mädchen-Technik-Tage/ Girls Day
o Veranstaltungen vom BIZ
3. Entscheiden
Stimmen die Aktivitäten Ihres Kindes in Freizeit und Schule zumindest teilweise mit den Berufswünschen überein?
Regen Sie Ihr Kind an, in den Ferien Betriebspraktika zu absolvieren, um sich seiner/ ihrer Berufswahl sicherer zu werden. Durchführung spätestens im vorletzten Schuljahr. Dann steht
auch schon eine Entscheidung für einen Ausbildungsplatz an.
Konzentrieren Sie sich auf weniger gefragte Berufe und Studiengänge aufgrund der Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Es gibt rund 350 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe! Warum sich dann auf überfüllte Berufe wie Bürokauffrau oder Kfz-Mechaniker stürzen?
Ihr Kind sollte sich zu Alternativen Gedanken machen und sich nicht nur auf einen Berufswunsch fixieren. Ermitteln Sie gemeinsam Erst-, Zweit- und Dritt-Berufswünsche.
4. Bewerben und gegebenenfalls Ausbildungsvertrag abschließen
Überlegen und besprechen Sie gemeinsam, wie möglicherweise ein Bewerbungsgespräch ablaufen könnte. Bewerbungstrainings geben wertvolle Tipps (z. B. im BIZ).
Bewerbungen müssen ein firmenbezogenes Anschreiben, Lebenslauf mit Foto und Zeugnisse beinhalten. Beachten Sie: das Halbjahreszeugnis bzw. das Jahreszeugnis der vorletzten Klasse stellt das Bewerbungszeugnis dar. Werfen Sie vor dem Versenden einen Blick auf die Bewerbungsunterlagen (Sind Rechtschreibung und Form OK?).
Bereiten Sie Ihr Kind auf Absagen und Enttäuschungen vor. Möglicherweise stellen sie eine Chance dar, sich in eine neue Richtung zu orientieren oder sich zunächst weiter zu bilden (Freiwilliges soziales/ ökologisches/ europäisches Jahr, Praktika, Berufsvorbereitungsjahre oder Auslandsaufenthalte zum Sprachenlernen). Sprechen Sie über Ängste wie Arbeitslosigkeit und ziehen Sie professionelle Berufsberater zu Rate, wenn die Bewerbungen keinen Erfolg zeigen.
Hinweise zur Berufsorientierung für Eltern mit Töchtern
Eltern können viel dazu beitragen, dass Mädchen ihre Zukunft bewusst gestalten und einen zukunftsträchtigen Beruf lernen. Sprechen Sie mit Ihrer Tochter über ihre Existenzsicherung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf (das ist auch für Ihren Sohn von Interesse) sowie über Karrieremöglichkeiten in ihrem Wunschberuf.
Sie können dazu beitragen, dass Ihre Tochter selbstbewusst und selbstverantwortlich in das Leben startet, indem Sie sich Ihrer Vorbildwirkung bewusst werden,
beispielsweise in Bezug auf:
Ihre Einstellung als Eltern zu den Rollen von Mann und Frau oder Ihre Rollenaufteilung in Familie und Beruf, die die Einstellung ihrer Tochter oft unbewusst mitprägen.
Klischeevorstellungen wie „Computer und Technik sind Männersache" oder die Trennung von „Frauen- und Männerberufen", die von Kindern leicht übernommen werden und sie in ihrer persönlichen und beruflichen Entfaltung hemmen.
Mädchen brauchen manchmal eine extra Ermutigung aus dem Elternhaus, um sich in - meist besser bezahlte und mehr Qualifizierungsmöglichkeiten bietende - Berufe in Naturwissenschaft, Technik und im IT-Bereich zu wagen.
Erweitern Sie die Selbstwahrnehmung Ihrer Tochter! Sie hat viele Fähigkeiten jenseits sozialer oder hauswirtschaftlicher Begabungen. Führungskräfte benötigen beispielsweise Schlüsselqualifikationen wie Verantwortungsbewusstsein, Problemlösekompetenz und Kommunikationsfähigkeiten. Feinmotorisches Geschick ist u. a. in der Mikrotechnologie gefragt. Auch die durchschnittlich besseren Schulnoten von Mädchen qualifizieren sie für viele Zukunftsberufe aus Naturwissenschaft und Technik. Keine Angst vor fehlenden Fachkenntnissen - sie werden schließlich in der Ausbildung vermittelt.
Quelle
Stefanie Teichmann, M.A.
Gemeinschaftsinitiative FrITZI
Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e. V.
Magdeburger Allee 4
99086 Erfurt
http://www.hallo-fritzi.de/
