Tischsituation
Die gemeinsame Einnahme der Mahlzeiten hat eine bedeutende Rolle im Zusammenleben der Menschen. Je nach Kultur haben sich unterschiedliche Tischsitten und Arten der Nahrungszubereitung entwickelt. In der heutigen Zeit jedoch wird die Pflege von Tischgemeinschaften und Tischkulturen durch viele Einflüsse bedroht. Vielfach beobachtet man Kinder
während dem Essen mit dem Blick in den TV, würgen das Frühstück auf dem Schulweg hinunter oder geniessen einen schnellen Zwischenstopp in einem Fast Food Laden. Die Bedeutsamkeit der Tischgemeinschaft ist verloren gegangen. Dabei kann das Kind wichtige Gemeinschaftserfahrungen machen, es kann erzählen, lachen und scherzen. Es kann eine gemütliche Tischkultur erleben sowie Tischsitten am Vorbild der Eltern abschauen. Ausserdem ist die Tischsituation eine hervorragende Gelegenheit die Selbständigkeit des Kindes weiter zu entwickeln und zu fördern.
Denken Sie daran, Sie sind ein Vorbild und sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Das heisst, dass Sie Freude am Essen zeigen, mitessen, und Verständnis zeigen für den Kinderappetit. Essen soll bei aller gesunden Ernährung und Erziehung etwas Lustvolles sein und bleiben. Süssigkeiten zum Beispiel gehören in unsere Esskultur. Sie sind kaum gesundheitsschädigend, wenn sie als Zwischenmalzeit gelten und nicht als Gewohnheit oder sogar zum Hauptteil der Ernährung werden. Das Wichtigste ist, die gemütliche Atmosphäre zu geniessen.
Die Tischgemeinschaft – ein Ort von zentraler Bedeutung
- ein Ort der Lust
- das Stillen des Hungers ist mit Lust verbunden
- ein Ort der Kommunikation
- für alltägliche Mitteilungen
- Erlebnisse erzählen
- Probleme erwähnen
- Fragen stellen
- über Gott und die Welt plaudern
- ein Ort der Sozialisation
- sein Platz suchen
- sich an Spielregeln halten
- die Gemeinschaft kennen lernen
- sich einfügen
- Widerstand leisten
- ein Ort des Lernens
- Tischsitten, Gesprächskultur, Umgang miteinander
- Essverhalten
- das Kind erlebt Dazugehörigkeit in der Tischgemeinschaft
- Geborgenheit sich Mitzuteilen, Zuzuhören, zu lachen usw.
- kein idealer Ort
- Um Konflikte, Spannungen und Meinungsverschiedenheiten zu klären
- Konflikte sind nicht zu vermeiden
- die Tischgemeinschaft ist ein guter Ort, sie beizulegen
Was das Kind isst...
bestimmen die Eltern. Dabei soll das Kind nicht von allen Speisen essen müssen. Mag es beispielsweise ein bestimmtes Gemüse nicht, bekommt es ein anderes.
Wie viel das Kind isst...
ist seine Entscheidung und wird von den Eltern weder bestimmt noch kritisiert oder gelobt. „Brav gegessen“ und ähnliche Kommentare sind zu vermeiden. Das Kind soll nicht den Eltern zuliebe, sondern seinem Bedürfnis entsprechend essen. Das Kind loben, wenn es bemüht ist, seinem Entwicklungsstand entsprechend „anständig“ zu essen, denn Lob fördert seine Selbständigkeit.
Spielt das Kind mit dem Essen...
oder wirft es zu Boden, ist es wahrscheinlich nicht mehr hungrig. Wenn das Kind auf die Aufforderung weiter zu essen in seinem Tun fortfährt, nehmen die Eltern das Essen weg. Es kann auch sein, dass sich das Kind zu Recht vernachlässigt fühlt und Aufmerksamkeit erregen will.
Isst das Kind nichts...
von den vorgesetzten Speisen, bekommt es auch kein Dessert. Desserts sollten nicht zur Gewohnheit werden. Bevor die Essenszeit um ist, wird das Kind auf das Ende der Mahlzeit aufmerksam gemacht. Kleinkinder haben noch kein Zeitgefühl. Ist der Teller nicht leer gegessen, wird er kommentarlos weggeräumt. Das Kind wird nicht zum Leeressen des Tellers gedrängt.
Tipps und Tricks rund um die Tischgemeinschaft
| Was tun, wenn… | |
| …das Kind nicht essen will | War es krank? Ist die Familiensituation schwierig? Kennt es die Nahrung nicht? Ist es bedrückt, traurig? Keinesfalls zwingen, denn: Jene Kinder, die am meisten zum Essen angehalten wurden, essen am schlechtesten. Kinder essen wenn sie Hunger haben und holen sich das, was sie brauchen. |
| …das Kind nicht trinkt | ein Kind braucht täglich 1½ bis 2 Liter Flüssigkeit. Bieten Sie dem Kind während des ganzen Tages Getränke mit wenig oder am besten ohne Zucker an. Sind Sie selber ein Vorbild und trinken sie mit dem Kind mit. Auch hier gilt, das Kind nimmt sich was es braucht um seine Bedürfnisse abzudecken. Oft vergessen Kinder jedoch im Spiel danach zu fragen, deshalb liegt es an uns Eltern/Erziehungsberechtigten das Kind regelmässig darauf aufmerksam zu machen. |
| …das Kind Spielzeug an den Tisch mitnehmen möchte | Spielsachen gehören nicht an den Tisch. Die Spielsachen können auf dem Stuhl sitzen oder die Autos können spielerisch in einer "Garage" parkieret werden und dort auf den Chauffeur warten. Seien Sie kreativ und versuchen Sie, die Spielsachen spielerisch vom Tisch fernzuhalten. |
| …das Kind nicht essen mag | Hier stellt sich auch die Frage, ob das Kind krank ist oder ob es einfach keine Lust hat zu essen. Wichtig hier ist, dass Sie das Sättigungsgefühl Ihres Kindes akzeptieren. |
Die Freude am Essen wecken und pflegen - Tipps & Tricks
- Kinder beim Kochen mithelfen lassen (Rüsten, mischen, einfüllen, schneiden…)
- Restaurant – Spiel: Mit Speisekarten, Servietten, Bedienung und Tischkarten essen
- Die Getränke in einen kleinen Krug giessen, damit die Kinder selber einschenken können, fördert die Selbständigkeit und motiviert die Kinder mehr zu trinken.
- Basteln Sie mit Ihrem Kind Tischsets für die ganze Familie
- Ausnahmsweise dürfen mal Plüschtiere und Puppen mitessen am Tisch
- Guten-Appetit-Sprüche ausdenken
- ohne Besteck essen, daher wie ein Säuli, Katze oder Löwe…
- die Suppe wie eine Katze schlürfen
- leise essen, flüstern
- laut essen, schmatzen
- vornehm essen mit Tischservietten, Blumen auf dem Tisch, Musik usw.
- Picknick auf dem Boden im Garten oder im Wohnzimmer
- im Dunkeln essen mit Kerzenschein
- gegenseitig füttern
- essen wie in China: mit Stäbchen
- essen wie in Indien: mit den Händen
Guten- Appetit- Sprüche
Guten Appetit – alle Kinder essen mit 
Mi Buch dä chnurrrt so lut, mi Buch dä chnurrrt so lut… brucht är echli Chabischrut? Was hesch denn du derbi, was han denn ich derbi? Öpfel, Bere Sellerie! En Guete wönsch ich dir, en Guete wönsch ich mir, en Guete mitenand.
Ich bin so hungrig wie ein Bär, mein Magen knurrt und ist so leer. Drum wollen wir jetzt Essen und das Danken nicht vergessen Guten Appetit!
Piep, piep Mäuschen, bleib in deinem Häuschen. Wir essen unsren Teller leer, da bleibt für dich kein Krümel mehr.
Mir häbed enand, und gänd enand d Hand, mir ghöre alli zäme...en Guete mitenand!
Text KKE
