Machen Medien die Kids zu Sexmonstern?
Auf Schulhöfen schauen Kinder und Jugendliche Pornos auf ihren Handys - ohne Tabus. Ob Analverkehr, Gangbang oder Vergewaltigungsspiele, die Kids heutzutage kennen sich aus. 14-Jährige treffen sich zum Gruppensex, Rap-Idole singen über Vergewaltigung und die Mehrheit der Jugendlichen hat den ersten Sex bereits zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr. Schon in jungen Jahren wird ausprobiert, was frühere Generationen vielleicht erst Anfang 20 erlebt haben - wenn überhaupt.
Vom Porno-Rap zum Porno-Net
Mit nackter Haut lassen sich bessere Verkaufszahlen erreichen. Man braucht nur wahllos Zeitschriften oder Zeitungen aufzuschlagen: Ob Seite-Eins-Girl oder eine simple Duschgel-Werbung, überall nackte Körper. Doch damit nicht genug: Auch in der Musik, die Jugendliche hören, spielt Sex inzwischen eine drastische Rolle.
Frauen als Sexobjekte
Im Schnitt verbringen Jugendliche täglich rund zwei Stunden vor dem Fernseher - und Musiksender sind dabei meist erste Wahl. In den Musikvideos vieler Rapper tanzen leicht bekleidete Frauen für die Stars und erwecken den Eindruck, allzeit bereit zu sein. Die teils frauenfeindlichen Texte unterstützen diese Reduzierung junger Frauen auf Sexobjekte nach Kräften.
Ständige sexuelle Verfügbarkeit
Ähnliche Vorstellungen vermitteln so genannte Datingshows, in denen Oberweite und Taillengröße über Erfolg oder Misserfolg beim Verkuppeln entscheiden. Die Frauen geben sich freizügig und scheinen jederzeit sexuell verfügbar zu sein - was gerade junge männliche Zuschauer häufig als Ideal auf die Wirklichkeit übertragen.
Porno-Net
Die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen hat bereits einen eigenen Internet-Anschluss im Kinderzimmer. Und das Netz bietet zum Thema Sex im Prinzip alles, was man sich vorstellen kann. Auch die außergewöhnlichsten Praktiken, von Sadomaso bis zu Fesselspielen, sind problemlos für jedermann zu finden. Alterskontrollen sowie Zensur gibt es praktisch nicht, was zur Folg
e hat, dass Kinder und Jugendliche sich unbeschränkt Pornos im Internet ansehen und sogar auf ihre Handys herunterladen können. Auf dem Pausenhof werden keine Panini-Bildchen mehr getauscht, sondern Hardcore-Videos herumgereicht. Diese Bilder setzen sich in den Köpfen der Kinder fest. Die Folge: Die Kids verlieren das Gefühl für Intimität und Zärtlichkeit. Sie verwechseln das Gesehene mit der Realität und spielen es teilweise sogar nach.
Sex Marke Eigendreh
Als neuester Trend gelten Sex-Filme, die meist männliche Jugendliche mit ihrer Webcam selbst und teilweise ohne Wissen des weiblichen Partners drehen und dann ins Internet stellen. Diese illegale Verbreitung intimster Momente wird dann nicht selten schamlos unter Mitschülern sowie im gesamten Netz verbreitet.
Angst vor Sexmonstern
In der Berliner Kinder- und Jugendeinrichtung „Arche" machen Mitarbeiter wie Wolfgang Büscher jeden Tag die Erfahrung, dass Kinder und Jugendliche heute ganz anders mit Sex umgehen als ihre Eltern. Zunehmend bereitet die Sexualität der Heranwachsenden den Betreuern ähnliche Sorgen wie die Gewaltbereitschaft der Kids. Manche Eltern und Pädagogen befürchten sogar, dass aus den Kids regelrechte Sexmonster werden könnten.
Die Eltern sind gefordert
Die heutige Verbreitung von Pornografie, besonders im Internet, ist ohne Zweifel erschreckend. Allerdings macht man es sich zu leicht, die Medien alleine für den Umgang der Kids mit Sexualität verantwortlich zu machen. Wer sich nicht um seine Kinder kümmert, wer nicht dafür sorgt, dass diese erst gar nicht an solches Material herankommen, und wer das Gespräch mit ihnen aus Scham oder Faulheit nicht sucht, braucht sich nicht zu wundern, dass die Jugendlichen solche Angebote nutzen. Denn wie alles, was verboten ist, hat Pornografie einen besonderen Reiz, gerade für neugierige Teenager.
Sex sells - Let´s talk about sex
Die Jugendlichen von heute sind ohne Zweifel sexuell freizügiger als frühere Generationen. Was - neben anderen Ursachen - natürlich auch am unkontrollierten Umgang mit den Medien und vor allem dem Internet liegt. In den meisten Fällen läuft selbst die Aufklärung über Jugendzeitschriften, Fernsehsendungen und das Web. Aber noch wichtiger als der Einfluss der Medien auf die Kids ist der Einfluss der Eltern. Und mit denen über Sexualität zu sprechen, ist für Jugendliche noch immer schwierig. Also reden die meisten nur untereinander oder anonym in Foren über ihre Sexualität und leider sind diese Gespräche nur selten ernsthafter Natur.
Liebe? Fehlanzeige!
Die Soziologin Anita Heiliger beobachtete im Umgang sowie im Gespräch mit Jugendlichen, dass erstaunlicherweise niemand von ihnen den Begriff Liebe erklären konnte. Die Kids wissen zwar, was Sex ist, und kennen alle Varianten und Praktiken, aber Emotionen wie Liebe und Zärtlichkeit können sie nicht in Worte fassen. Genau darin sieht die Soziologin eine große Gefahr. Denn die Jugendlichen reden ihrer Meinung nach viel zu wenig über die Verbindung von Sex und Partnerschaft.
Pornoexperten, aber Beziehungs-Greenhorns
Eine ähnliche Erfahrung machte auch die Sozialpädagogin Conny aus einem Münchner Jugendtreff. Sie bemerkte, dass die Jugendlichen sich verändern, was den Erfahrungsschatz und das Wissen über Pornografie angeht. Dass die Jugendlichen von heute viel erleben und Ahnung von Pornofilmen haben, ist für die Pädagogin allerdings
nicht weiter schlimm. Doch sollten sie auch lernen, wie eine glückliche Beziehung aussieht und wie man respektvoll mit dem Partner umgeht.
Beziehung ist Arbeit
Gerade hier sind Erziehungsberechtigte und Pädagogen besonders gefordert. Ihre Aufgabe ist es, den Wert einer wirklich schönen und geglückten Beziehung zu vermitteln, aber auch zu zeigen, dass dies harte Arbeit bedeutet.
Besonders schön mit dem Partner
Auch wenn Sex die schönste Nebensache der Welt ist, so ist er doch am schönsten, wenn man ihn mit einem Partner erlebt, dem man vertraut und den man liebt.
Quelle:
Welt der Wunder
