Loslassen
Je älter Kinder werden, desto unabhängiger wollen sie sich im Leben bewegen. Jeder Schritt in diese Selbständigkeit bedeutet für Eltern ein Loslassen.© photocase

Das Streben nach Unabhängigkeit fängt schon im Kleinkindalter an. Schon bald will der kleine Moritz den Löffel selber halten und versuchen, aus dem Teller zu essen. Jasmin möchte sich die Schuhe selber binden, und Miriam will unbedingt ohne mütterlichen Schutz den Schulweg meistern. Zu Anfang sind die Konsequenzen von manchen kindlichen Unabhängigkeitsanstrebungen noch tragbar wie etwa, wenn das Essen statt im Mund auf dem Boden landet und dann nichts Tragischeres als Putzen angesagt ist. Ganz anders ist die Situation, wenn ältere Kinder in die Selbständigkeit vordringen, dann kommen Kummer und Sorgen von weit grösserer Tragweite auf die Eltern zu: Wie kommt das Kind ungefährdet nach Hause? Wie wird es reagieren, wenn ihm Zigaretten, Alkohol oder auch Drogen angeboten werden? Was soll man erlauben, was verbieten? Eltern wissen, dass ihr Kind Erfahrungen sammeln muss. Aber all das soll möglich sein, ohne dass sich das heranwachsende Wesen Gefahren aussetzt, mit denen es nicht umgehen kann. Gleichzeitig können Eltern nicht immer alles kontrollieren, andererseits sind sie doch auch verpflichtet, ihr Kind zu schützen... In so anspruchsvollen Situationen brauchen Mütter und Väter ein ruhiges Köpfchen. Und überdies Geduld, Einfühlungsvermögen, Verhandlungstalent und in manchen Dingen Festigkeit.

Information ist wichtig
Eltern sollen ihre Ängste ernst nehmen. Und sie sollen dieses Gefühl auch aussprechen und Fragen stellen. Was ist geplant? Mit wem wird der Jungendliche zusammen sein, und wie lange soll der Ausgang oder das Fest dauern? Es geht keineswegs um ein verhör oder um Schikane, sondern um die Notwendigkeit zu wissen, wo und mit wem ich der Jungendliche befindet. Auch der Kontakt mit anderen Eltern kann nützliche Hinweise geben, ob Sorgen gerechtfertigt sind.

© photocase Benutzerprofil von andybahnRisiken ansprechen
Wenn Sie mit Ihrem Teenager über mögliche Risiken sprechen, kann es gut sein, dass der Jugendliche Sie beschwichtigt oder Ihnen barsch mitteilt, dass er Sie nicht für kompetent hält. Für ihn ist es wichtig, von der Gruppe, in der er sich bewegt, als gleichwertiges Mitglied akzeptiert zu werden. Dennoch: Sprechen Sie über Ihre Sorgen und Ängste. Machen Sie verbindliche Gesprächstermine ab und bringen Sie Themen wie Alkohol, Gruppendruck oder Gewalt offen zur Sprache.

Regeln und Strategien
Koppeln Sie Ihr Okay an gewisse Abmachungen, an die sich der Teenager halten muss. Geben Sie Ihrem Kind aber auch die Möglichkeit, selber nach Vereinbarungen und Lösungen zu suchen, die Ihre Angst mindern. So kann beispielsweise eine Regel sein, dass man die Eltern anruft, wenn man sich verspätet und die vereinbarte Zeit nicht einhalten kann. Nützlich können auch strategische Überlegungen sein. Was könnte das Kind sagen, wenn es das Angebot Alkohol ablehnen will, gibt es trendige alkoholfreie Getränke, die es stattdessen trinken mag?


Belohnung und Konsequenzen
Belohnen wirkt oft besser als Bestrafungen und Verbote. Loben Sie den Jugendlichen, wenn er sich an Abmachungen hält, und überlegen Sie sich, welche Privilegien Sie ihm zur Belohnung einräumen wollen. Konsequenzen © photocase Benutzerprofil von claudiarndt Name Claudia Arndtsind allerdings ebenso unverzichtbar. Der Teenager muss lernen, für sein Verhalten Verantwortung zu übernehmen. Kommt also der Jungendliche beispielsweise später nach Hause als abgemacht, wird der nächste Ausgang gestrichen. Reagiert der junge Mensch mit Protest, fragen Sie ihn, welche Massname er für angemessen hält. Oft haben Jugendliche selbst ganz passende Ideen.

Nachbesprechung
Lassen Sie sich vom Jugendlichen berichten, wie alles gelaufen ist. War es leicht, die Vereinbarung einzuhalten? Wann wurde es schwierig, wo hats geklemmt? Mag sein, dass der Heranwachsende sich zunächst sträubt, mit Ihnen zu sprechen. Mit Sicherheit spürt er aber das elterliche Engagement. Sagen Sie ihm, dass Sie stolz auf ihn sind, wenn er sich um Selbstschutz bemüht. Und geben Sie ihm die Gewissheit, dass Sie auch dann zu ihm stehen, wenns einmal nicht so klappt, wie man sich das gewünscht hätte.

Dr. lic. phil. Annette Cina Jossen
Institut für Familienforschung und Beratung der Universität Freiburg

 

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