Schulwechsel - zwischen Stühlen und Bänken
Ein Klassen- und Schulwechsel ist fast immer ein erheblicher Einschnitt für Kinder. Es stehen Trennungen an. Bekanntes, Vertrautes muss aufgegeben werden. Es herrscht vielleicht Lampenfieber in Hinsicht auf das Ankommen in der neuen Umgebung. Das soziale Beziehungsnetz unter Gleichaltrigen ändert ebenso wie die Art der Unterrichtsführung der Lehrpersonen oder das Schulklima. So sind den zwei Dinge wichtig; gut gehen und gut ankommen.

 

Gut gehen© photocase Benutzerprofil von luxuz::.
Um am neuen Ort gut ankommen zu können, ist es hilfreich, am alten Ort gut wegzugehen: sich von den „Gespänli" und von den Lehrpersonen gebührend verabschieden, anerkennen, was gut und was nicht so gut erlebt wurde und weshalb gerne zurückgelassen wird. Letzteres muss nicht unbedingt offen mitgeteilt werden. Ein innerlicher Akt oder vielleicht eine Zeichnung als kleines Ritual kann aber dazu beitragen, dass das Ungute nicht „mitwandert". Zum Gehen gehört auch, Zeugnisse mitzunehmen. Falls Ihr Kind besondere Ansprüche stellte und stellt, verlangen Sie einen Bericht der Lehrpersonen sowie allfälliger Zusatzlehrkräfte und Therapeutinnen zuhanden der aufnehmenden Lehrperson. Oder fragen Sie um die Einwilligung telefonischer Rückfrage der neuen Lehrperson bei der früheren.

 

Gut ankommen
Schulen sind sich allerlei Arten von Neuzuzügen gewohnt. Die Integration in den Klassenverband gehört zu den selbstverständlichsten Aufgaben von Lehrer und Lehrerinnen. Günstig ist aber in jedem Fall, frühzeitig mit der neuen Lehrperson Kontakt aufzunehmen und ein Eintrittsgespräch zu vereinbaren. Empfehlenswert ist auch ein Schulbesuch einige Wochen vorher, damit die neue Schule, die neue Klasse und deren Lehrpersonen Gestalt annehmen, anschauliche Bilder da sind, auf die man sich freuen kann. Die Lehrperson wird (vor allem auf den unteren Stufen) aktiv für einen guten Empfang Ihres Kindes in der Klasse sorgen, beispielsweise einen oder zwei „Paten" für die ersten Wochen organisieren.

 

© photocase Benutzerprofil von schokofreakKinder mit besonderen Ansprüchen
Früher galt bei manchen Lehrpersonen: „Ich will am Anfang keine Informationen über das Kind, sondern ihm unvoreingenommen begegnen können." Heute ist professioneller Standart, dass Lehrpersonen über wichtige Eigenheiten des Kindes von Beginn weg informiert sein müssen. Die Lehrperson kann sehr wohl die erhaltenen Vorinformationen und ihre tatsächliche Wahrnehmung des Kindes auseinanderhalten. Bei Kindern mit besonderen Lernschwierigkeiten, speziellen Begabungen oder besonderem Verhalten in der Gruppe ist es entscheidend, ganz von Beginn weg richtig reagieren zu können. Ebenso hilfreich, wenn die Lehrperson weiss, auf welche Lernsettings das Kind besonders gut reagiert, welche Hilfestellungen erforderlich waren. So werden Fehleinschätzungen mit negativen Folgen vermieden. Wenn am früheren Ort Probleme bestanden: Professionelle Lehrerinnen und Lehrer wissen, dass Störungen zeit- und personenspezifisch sein können und dass ein Wechsel der Bezugspersonen manchmal neue, positive Chancen gibt. Abgebende Lehrpersonen werden sich deshalb hüten, für den aufnehmenden Ort ungute Prophezeiungen zu machen.

 

Chancen nutzen© photocase Benutzerprofil von calmate
So schwierig Umzüge für Kinder oft auch sind, so sehr bieten sie andererseits Gewinnaussichten. Jeder Neuanfang birgt auch einen Zauber. Orts- und Perspektivenwechsel eröffnen neue Chancen. Abschiede gestalten und sich auf neue Menschen einlassen ist im tiefen Sinne bildend. Richten Sie Ihren Blick auch auf diese positive Seite der Medaille.

 

Dr. Anton Strittmatter ist Erziehungswissenschaftler.
Er lebt in Biel und ist Vater zweier schulpflichtiger Kinder.
mailto:a.strittmatter.@lch.ch

 

Quelle
Fritz Fränzi aus Heft Nr.3/2007

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