Das leere Nest - wenn Kinder ausziehen
Die Zeit ist gekommen: Ihr Kind ist erwachsen und möchte sein Leben in einer eigenen Wohnung selbst gestalten. Auch wenn man als Mutter oder Vater den Zeitpunkt manchmal herbeigesehnt hat, ist der Auszug eines Kindes immer mit gemischten Gefühlen verbunden. Einerseits besteht Grund zur Freude über die Entlastung und die neue Unabhängigkeit, andererseits machen sich die meisten Eltern Sorgen, ob es für den Lebensweg gut gerüstet ist und nicht selten stellt sich auch Trauer ein, weil das Kind jetzt seine eigenen Wege geht und die Eltern vordergründig nicht mehr braucht. Wenn es Eltern sehr schwer fällt ihr Kind loszulassen, sollten sie daran denken, dass es für die Entwicklung der zukünftigen Beziehung wichtig ist, ihr Kind als erwachsenen
selbstständigen Mensch zu respektieren, der seinen eigenen Weg gehen wird. „Ruf uns an, wenn du was brauchst." ist der beste Rat, den Eltern ihren Kindern mitgeben können. Wenn Ihr Kind sich meldet, freuen Sie sich, zeigen Sie Interesse und versuchen Sie die Autonomie Ihres Kindes zu respektieren. Ihr Kind ist ein gleichberechtigter Partner, der Anerkennung und Wertschätzung von Ihnen erwartet, auch wenn es Entscheidungen trifft, die nicht Ihren Vorstellungen entsprechen. Versuchen Sie in der Kommunikation mit Ihrem Kind nicht in die berüchtigten Kommunikationsfallen zu tappen (von Thomas Gordon als „Kommunikationssperren" bezeichnet), da diese garantiert nicht zur Verbesserung der Beziehung beitragen.
Ratschläge: Du musst das tun!
Mahnungen: Das hättest du nicht tun dürfen!
Predigten: Hab´ ich nicht gesagt, dass du ..
Vorschläge oder Lösungen: Meiner Meinung nach ...
Kritik oder Urteil: Du bist auf dem Holzweg.
Vorträge: Du bist dir doch im Klaren, dass ...
Beschämungen: Das hast du dir aber nicht überlegt.
Diagnosen: Was du wirklich brauchst ...
Trösten: So schlimm ist das nicht ...
Verhöre: Warum hast du das getan?
Ablenkungen: Magst du nicht was essen?
Machen Sie Ihrem Kind kein schlechtes Gewissen
Warten Sie nicht ständig auf Anrufe, Ihr Kind hat viel zu tun. Versuchen Sie sich nicht zu viele Sorgen zu machen, denken Sie daran, dass Ihr Kind erwachsen und für sein Wohlergehen selbst verantwortlich ist. Natürlich werden auch im Leben Ihres Kindes Fehler passieren. Das ist normal, denn wir alle machen Fehler und ziehen unsere Lehren daraus.
Der Auszug ist nur eine räumliche und keine familiäre Trennung
Keine Angst! Sie werden auch in Zukunft am Leben Ihres Kindes teilhaben. Es ist aber wichtig, dass jeder Mensch seine Vorstellungen vom Leben verwirklichen darf, ohne andauernd und auf ewig Mama oder Papa zu fragen. Die Trennung von den Eltern ist für Menschen eine natürliche Entwicklungsstufe und trotzdem fällt es vor allem Müttern manchmal schwer diese Trennung zu verarbeiten. Manche bekommen Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl oder Zukunftsängste. Laut Untersuchungen fällt es Frauen, die neben ihrer aktiven Elternzeit auch eine Berufstätigkeit ausgefüllt haben, leichter ihre Kinder in die Selbstständigkeit zu entlassen und das eigene Leben neu zu gestalten. Väter fühlen sich in der Regel durch den Auszug des Kindes weniger stark belastet und sehen die Dinge meist etwas gelassener. "Sie wohnt ja nur 10 Kilometer weiter und wenn sie was braucht, wird sie schon kommen."
Freuen Sie sich auf den neuen Lebensabschnitt
Der Auszug eines Kindes verändert das Familiengefüge und aus lauter Sorge über die Kinder denken Eltern oft gar nicht daran, wie sie in Zukunft ihre eigene Partnerschaft und ihr Leben ohne Kinder gestalten werden. Jetzt haben Sie wieder Zeit für eigene Pläne und Aktivitäten. Ruhe ist im Haus und viel mehr Platz und außerdem viel weniger Arbeit. Berufliche Weiterbildungen oder Reisen können endlich ohne Rücksicht auf die Ferien der Kinder geplant werden und wenn die Kinder dann endlich eigenes Geld verdienen, können Sie sich selber wieder mehr leisten.
Die Partnerschaft bekommt wieder mehr Bedeutung
Viele Paare bemerken nach dem Auszug der Kinder eine positive
Veränderung in der Paarbeziehung. Sie nützen die gewonnene Zeit für einen Neubeginn in der Beziehung und beginnen gemeinsame Aktivitäten, gehen ihren (neuen) Hobbys nach, besuchen Kino oder Theater und haben Zeit für Gespräche. Manchmal brechen jedoch Konflikte auf, die aus Rücksicht auf die Kinder unter den Teppich gekehrt wurden, was die hohe Scheidungsrate bei älteren Paaren erklärt. Gerade in der „Leeres-Nest-Phase" wird die Stabilität der Paarbeziehung auf eine harte Probe gestellt; viele Paare haben nur die Sorgen um die Kinder zusammengeschweißt und sie hatten sich als Mann und Frau eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Entscheidend ist in diesem Fall den Auszug der Kinder nicht als Ursache, sondern als Auslöser der Trennung zu betrachten. Vielleicht ist es der richtige Zeitpunkt einen Schlusspunkt zu setzen und einen Neubeginn in Form eines veränderten Lebensentwurfs zu wagen.
Quelle
radio.burgenland.orf.at
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